BEVOR ES-Award – 5 Fragen an mein Essverhalten

Eine Aktion zur Prävention von Esstörungen von HappyKalorie

von Lieblingsmensch_ME am 13. Juni 2018 / Lesezeit: 7 Minuten

HappyKalorie ist ein Projekt zur Prävention von Essstörungen. Die Erfahrungsexpertinnen Michaela Schubert und Désirée Fiedler geben in Vorträgen und Workshops ihre eigenen langjährigen Erfahrungen mit der Erkrankung weiter. Nun haben Sie einen Award ins Leben gerufen, mit dem sie noch mehr Menschen erreichen wollen, die sich bisher mit dem Thema vielleicht noch garnicht auseinandergesetzt haben.

„Essstörungen sind allgegenwärtig“ schreiben sie und ich denke sie haben recht. Denn abseits der „klassischen“ (damit meine ich sehr bekannten) Formen, von denen wir auch oft in den Medien lesen und hören, gibt es soviele Gesichter, wie das jedes Menschen ganz einzigartig ist.

Sei es, dass ich beobachte, wie ein guter Freund sich ganz plötzlich nur noch strikt vegan ernährt und sich nebenbei sportlich völlig kaputt macht. Sei es, dass ich sehe wie eine andere Freundin ihre Probleme mit Schokolade wegisst, nur um dann immer wieder Diät zu machen. Und auch ich war selbst betroffen von einer „atypischen“ Essstörung.

Ich habe nicht akzeptiert, dass ich überhaupt eine Essstörung habe.

Selbst als ich 2005 unmittelbar vor einem mehrwöchigen Aufenthalt in einer Klinik speziell für Patient_innen mit Essstörungen stand, wollte ich es nicht wahrhaben.  Auf dem Weg zur Klinik in die Lüneburger Heide, wo mich meine Eltern hinfuhren, hatte ich im Auto nichts gegessen, nicht während der Fahrt und auch mindestens 2 Stunden vor einer „Fahrt“ (Auto, S-Bahn, Tram usw.) habe ich nicht mehr gegessen. Trotzdem hatte ich mehrere Male eine Panikattacke im Auto. Ich bekam Panik, mich übergeben zu müssen. Mir war immer so übel, ganz besonders nach dem Essen – ganz egal wieviel oder wenig es war.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich dieses Verhalten schon fast ein halbes Jahr praktiziert. Es steigerte sich langsam. Und mit der Zeit lief ich kilometerweit, weil ich keine Verkehrsmittel nach dem Essen benutzen konnte. Oder aber ich aß stundenlang lieber nichts, wenn ich wusste ich muss später noch unterwegs sein. Ich kenne es auch von mir, dass ich aufhöre zu essen, wenn es mir schlecht geht. Aber:

Mit den mir bekannten Essstörungen hatte das nichts zu tun.

Deshalb fiel es mir anfangs wohl auch so schwer, sie zu akzeptieren. Geholfen hat mir dabei aber definitiv der Klinikaufenthalt, denn es wurde durch das konsequent vorgegebene „Programm“, gerade was die Mahlzeiten betraf, sehr deutlich, dass ich ein massives Ess-Problem hatte.

Mir wurde klar, dass meine psychischen Probleme (ich hatte eine Trennung nicht gut verarbeitet) die Ursache für diese Entwicklung waren, dass diese eine Trennung nur ein Symbol war für viele vorher, die wiederum ihren Ursprung in der einen für mich traumatischen Trennung in meiner Kindheit hatten. Ich fing an mich zu erinnern, dass mir schon als Kind und Jugendliche oft schlecht war, ich immer zu dünn war, ich immer nur „wie ein Spatz“ gegessen habe.

Meine Angst hat mich vor Schlimmerem bewahrt.

Letztendlich hat mal ein Therapeut gesagt: Hättest du nicht solche Angst zu erbrechen – du wärst wahrscheinlich bulimisch geworden. Und ja, ich denke, das trifft zu. Heute weiß ich auch, woher diese seltsame Angst vorm Erbrechen kommt. Damals war sie eben einfach da und für mich vielleicht sogar ein Glücksfall. Meine Problematik hat sich trotzdem einen anderen Weg gesucht, um auf sich aufmerksam zu machen.

Das Problem zeigte sich so oder so. Nur mit einem etwas anderen Gesicht.

Noch heute hangle ich mich stetig an der unteren Normalgewichtsgrenze (BMI 19,1) lang. Mit viel Sport schaffe ich auch mal 2-3 Kilo mehr Muskelmasse aufzubauen. Ich akzeptiere, dass das meine Konstitution ist und fühle mich wohl in meinem Körper, auch wenn es hier und da etwas mehr sein könnte. Ich achte darauf, dass ich nicht mehr ins Untergewicht komme.

 

Nun meine Antworten auf die Fragen zum BEVOR ES-Award von HappyKalorie:

Wann und warum isst du? Was bedeutet für dich Essen?

Essen ist für mich eine wichtige Energiequelle geworden, und das nicht nur tatsächlich, sondern auch seelisch. Ich habe angefangen, Essen als Seelen-Nahrung zu empfinden und esse dann, wenn mir danach ist und wenn ich Hunger habe. Mir ist wichtig, was ich esse und ich mag es, es selbst zuzubereiten, weil ich mir damit selbst etwas Gutes tue – in zweierlei Hinsicht. Ich mache mir ein gutes Essen und ich mache mir ein gutes Essen.

Was verstehst und verbindest du mit „gesund“ sowie „ungesund“?

Wegen meiner Allergien verzichte ich z.B. auf gewisse Komponenten im Essen, die ich aber ohnehin als ungesund empfinde. Ich versuche zum Beispiel auf weißen Zucker und Weißmehl-Produkte zu verzichten, weil das mein Immunsystem schwächt. Ich habe gute Erfahrungen mit natürlichen Zuckern und Vollkorn-Produkten gemacht. Ich esse außerdem viel Obst und Gemüse, immer mehr Bio und aus dem eigenen Garten – das fühlt sich für mich „gesund“ an.

Hast du bereits Diäterfahrung? Wenn JA, welche und warum hast du genau diese Diät gemacht? Wenn NEIN: Bist du zufrieden mit deinem Körper?

Ich habe Diäterfahrungen in der anderen Richtung. Ich war in der Klinik und der Zeit danach auf Zunehm-„Diät“. 3000 kcal am Tag – für mich als „Spatz“ eine echte Tortur. Ich bin mit meinem Körper meistens zufrieden. Ich finde mich manchmal zu dünn, zu wenig dran. Ich mag es auch wenn mein Körper sportlich aussieht und gut trainiert. Dafür tue ich auch etwas.

Wie gehst du mit persönlichen Schwierigkeiten um?

Spontan: Kopflastig 🙂
Ich arbeite daran, mich mehr auf meinen Körper einzulassen, auf ihn zu hören und Signale wahrzunehmen. Gerade merke ich, dass ich trotz Hunger weiterschreibe. Ich mache mal eben eine Pause.

Weiter geht’s.
Ich bemühe mich, meine Gefühle besser im Körper wahrzunehmen und mich dann auch besser um mich zu kümmern. Ich merke zum Beispiel, dass 30 Minuten Yoga und Meditation am Tag mir dabei helfen, dass persönliche Schwierigkeiten mich nicht mehr so massiv belasten. Ich bin quasi jeden Tag, wenn auch nur kurz,  „bei mir“ und damit auch bei meinen Problemen und Schwierigkeiten – statt sie wie früher in eine Ecke zu stellen und wegzusehen, bis sie massiv Druck machen.

Wie be-/verarbeitest du deine Probleme?

Wie eben schon beschrieben, durch Zuwenden und Wahrnehmen. Ich habe etliche Jahre Erfahrung in der Achtsamkeits-Praxis und gerade in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht mit dem Achtsamen Selbstmitgefühl und zu einem liebevolleren, mitfühlenden inneren Umgang mit mir gefunden. Klappt natürlich nicht immer und überall, aber doch schon viel besser als noch vor vielen Jahren.

 

Und wie sehen deine Antworten auf diese Fragen aus?

Mach auch gern mit beim Award!

Hier findest du alle Infos:
https://happyblogkalorie.wordpress.com/2018/05/30/start-des-bevor-es-award/

 

Bildquelle: https://www.happy-kalorie.de/

Ähnliche Beiträge

Und dann war Stille Als ich begann, mich selbst zu fühlen, löste das einen inneren Sturm aus. Alles wirbelte durcheinander, nichts behielt seinen mir vertrauen Platz, es ...
Unbezwungen William Ernest Henley Originaltitel: Invictus Aus dieser Nacht, die mich umhüllt, von Pol zu Pol schwarz wie das Grab, dank ich welch immer Gott...
Alexis Eine besondere Geschichte über Ängste, Bewältigungsverhalten und ein besonderes Mädchen. Hallo, ich bin Alexis. Also eigentlich heiße ich Marie-Lui...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kein Lotus ohne Schlamm

"Auch die Lotusblume braucht Schlamm, um zu gedeihen. Sie wächst nicht auf Marmor. Wer vor dem Leid wegläuft, kann kein Glück finden." THÍCH NHẤT HẠNH

Hier schreibe ich über meinen Weg aus der psychischen Erkrankung, das Leben und die neue Liebe zu mir selbst.

Über Annegret Corsing -
Erfahrungsexpertin

Kontakt

Der Name ist Programm

Das Lieblingsmensch-Trainingsprogramm ist dein persönliches Coaching-Programm auf dem Weg zu dir selbst und basiert auf (Selbst)Mitgefühl und meinen Erfahrungen auf dem Weg.

www.lieblingsmensch.me

Unter den Top Blogs 2017 von MyTherapy

Zitate

Being aware of a single shortcoming within yourself is far more useful than being aware of a thousand in someone else.Dalai Lama
nächstes Zitat

Neueste Beiträge

Neu in Mila's Welt

Neueste Kommentare

Tags

Kategorien

Archiv

Feed