Ich bin ok

Über die Wahrheit, die Angst vor Nähe, Kontrollverlust und Hilflosigkeit

von Mila am 17. September 2017 / Lesezeit: 3 Minuten

Ich weiß, dass mein Verhalten mein Schutz ist. Meine Fragen an die Welt und andere Menschen. Ein Schutz davor, mir selbst – ganz allein und nur für mich – Recht zu geben.

Denn das wäre ja ganz schön mutig und ich müsste mich dann damit anfreunden, dass ich vielleicht doch ein wertvoller Mensch bin und nicht einfach nur dazu da, von anderen erst benutzt und dann einfach so fallen gelassen zu werden. Doch die Kontrolle darüber nicht zu haben, wer einfach so aus meinem Leben verschwindet – das ist meine größte Angst.

Da rede ich mir doch lieber ein, ich wäre nicht ok, denn das macht es kontrollierbar. Dann habe ich die Möglichkeit, etwas zu ändern. Ich kann besser werden, wenn ich nicht gut genug war. Ich kann trainieren, falls ich nicht fit genug war. Ich kann lernen, falls ich nicht intelligent genug war. Ich kann Höchstleistungen in allen möglichen Bereichen bringen, falls ich zu sehr Mittelmaß war. Ich kann mit vielen Menschen Sex haben um zu beweisen, dass es auch nicht daran lag, dass ich körperlich nicht attraktiv gewesen wäre. Ich kann mich in den Mittelpunkt rücken, falls ich zu unscheinbar war.

Und ich kann mich jahrzehntelang fragen: Was habe ich bloß falsch gemacht?

Was daraus folgt sind instabile, oberflächliche Beziehungen, weil ich mich auf niemanden wirklich einlasse – aus Angst, wieder verletzt zu werden. Ich treibe mich mein ganzes Leben lang zu Höchstleistungen an und es wird nie genug sein – bis ich davon krank werde. Und ich unterdrücke die Sehnsucht nach echter Nähe – denn ich fühle: Irgendetwas stimmt mit mir nicht und wenn mir jemand zu nah kommt, dann wird es sichtbar und ich werde wieder verlassen.

Doch die Wahrheit ist: Es war nicht meine Schuld. Ich habe nichts falsch gemacht.
Er ist gegangen und ich hätte nichts tun können um es zu verhindern. Es lag nicht an mir. Ich bin ok.

Und was bleibt? Die totale Hilflosigkeit.

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