[Resilienz #2] Optimismus – Ist dein Glas halb voll oder halb leer?

von Lieblingsmensch_ME am 20. September 2017 / Lesezeit: 5 Minuten

Diese klassische Frage kann ich auch einmal anders stellen: Vervollständige folgenden Satz in deinem Kopf:
„Die Welt ist voll von…?“ Welches Wort kam dir zuerst in den Sinn?

Wenn es positiv war, dann gratuliere ich dir! In Deutschland und der Schweiz ist die Antwort Nummer 1 nämlich statisch gesehen „Idioten“, wenn wir über menschliche Aspekte reden, und „Probleme“, wenn über nicht-menschliche. In Österreich sind die Idioten übrigens „Narren“ (aus einem Vortrag der Management- und Motivationstrainerin und Autorin Vera F. Birkenbihl).

 

Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will.
Henri Matisse

 

Und ja, wir neigen dazu, den Fokus auf das Negative im Leben zu richten. Nicht nur persönlich, auch gesellschaftlich haben wir einen Hang zur Defizitorientierung. Wir können also tendenziell etwas mehr Optimismus in unserem Leben gebrauchen.

Aber ist Optimismus eigentlich angeboren oder kann ich ihn trainieren?

Aus persönlicher Sicht und aufgrund meiner Erfahrungen denke ich, dass eine gewisse Portion Optimismus schon in uns liegt. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich heute an dem Punkt bin, an dem ich bin. Ich würde vielleicht schon lange nicht mehr leben. Es klingt radikal – doch es gibt diesen Teil in mir, der ganz stark daran glaubt, dass es besser wird, der die Vorteile und Chancen sehen kann, auch in Krisen. Einen Teil, der optimistisch ist. Der Resilienz-Faktor Optimismus ist bei mir von Hause aus sehr ausgeprägt.

Der Psychiater Dennis Charney von der Mount Sinai School of Medicine in New York hat den Faktor Optimismus auch als eine Überlebensstrategie herausgearbeitet. Er hatte 750 Kriegsveteranen interviewt, die trotz teils sehr schwieriger Erlebnisse keine Depression oder Posttraumatische Belatungsstörung entwickelt hatten und sich sehr belastbar zeigten. Als er die Eigenschaften der Probanden untersuchte und nach Häufigkeit ordnete, befand sich Optimismus auf Platz 1. Die Studie zeigt also, dass der Faktor Optimismus einen großen Einfluss darauf hat, wie wir mit Krisen und schwierigen Erlebnissen umgehen.

Doch auch, wenn er bei dir noch nicht so ausgeprägt ist: Optimismus kann gelernt, bzw. trainiert werden. Und das auch zu tun ist im doppelten Sinne wichtig: Denn ein gemäßigter Optimismus (das ist eine realistische Form, die sich z.B. von Leichtsinn unterscheidet) macht uns nicht nur zufriedener, er ist durchaus gesünder für uns. Studien belegen:

Optimisten sind fitter und leben länger als Pessimisten.

Sie neigen dazu, mehr Vitamine und weniger Fett zu sich zu nehmen und mehr Sport zu treiben. Sie sind seltener unter Stress und schonen damit ihr Herz und ihre Nerven. Optimisten haben zusätzlich meist noch in anderen Resilienzfaktoren eine starke Ausprägung, z.B. bei Akzeptanz und Lösungsorientierung (Artikel folgt in Kürze in der Reihe Resilienz – Was ist das?).

“Sie sind Problemlöser, die versuchen, eine Situation zu verbessern. Und wenn sie nicht zu ändern ist, sind sie eher als Pessimisten in der Lage, die Realität zu akzeptieren und weiterzumachen.” sagte der Psychologe Michael F. Schleier, einer der Pioniere im Bereich der Forschung über das positive Denken.

Und das wirkt sich auch auf unsere seelische Gesundheit aus. Optimistische Menschen haben oft ein positiveres Selbstbild und eine höhere Selbstwirksamkeitserwartung, das bedeutet, eine höhere Erwartung, aufgrund ihrer eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können und gesetzte Ziele zu erreichen. Wie kann ich nun den Optimisten in mir stärken? Es kann bereits helfen, den eigenen Fokus ganz gezielt auf das Positive im Leben zu richten und erst einmal wahrzunehmen, wie „voll oder leer“ mein Glas im Alltag so ist.

Wovon ist deine Welt voll?

Ist sie voller Blumen, wie die von Matisse? Oder voller Wunder, Chancen und Möglichkeiten? Voller wunderbarer Menschen, voll von Liebe und Wärme? Doch bevor ich noch die Einhörner erwähne… Schau einmal genau hin. Vielleicht ja einfach zu Beginn mal jeden Abend, indem du dir 3 Dinge bewusst machst, die an diesem Tag schön waren, oder für die du dankbar bist. Denn die positiven Gefühle, die ausgelöst werden, wenn wir dankbar sind und uns schöne Erinnerungen wachrufen, haben großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unseren Optimismus.

Also fang doch gleich schonmal an: Wofür bist du heute, jetzt in diesem Moment, dankbar?

 

Quellen:
http://www.zeit.de/2017/03/optimismus-einstellung-unternehmer
http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/optimismus-positive-gedanken-koennen-das-leben-staerken-a-901042.html
http://www.huffingtonpost.de/2017/04/16/positives-denken-optimismus-leben_n_15993220.html

 

 

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1 Kommentar zu “[Resilienz #2] Optimismus – Ist dein Glas halb voll oder halb leer?”

  1. Annika sagt:

    Mehr Optimismus und Dankbarkeit bitte! Wir alle sollten aufhören, ständig nur das Negative zu sehen. Kurz einmal innehalten und sich das Schöne im eigenen Leben vergegenwärtigen hilft – und zwar sofort!

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