[Resilienz #4] Lösungsorientierung – Widerstände als Chancen erkennen

von Lieblingsmensch_ME am 4. Oktober 2017 / Lesezeit: 5 Minuten

Widerstände – innere oder äußere – lassen uns oft eher hilflos werden, sie sind unerwünscht und wir möchten sie am liebsten loswerden. Doch wenn du die Chance nutzen kannst, die in jedem Widerstand steckt und du ihm mit einer anderen inneren Haltung begegnen kannst, kann sich ein ganz neuer Raum für Lösungen öffnen.

Das chinesische Wort für Krise setzt sich aus zwei Silben zusammen, die einzeln gelesen die Worte „Gefahr“ und „Chance“ bedeuten.

 

Das chinesische Zeichen für Krise besteht aus zwei Zeichen, die einzeln gelesen „Gefahr“ und „Chance“ bedeuten.

 

Vor zweieinhalb Jahren, in einer Tagesklinik, als ich selbst schwer in einer Krise steckte, da erzählte uns die Leiterin der Station in der Selbstfürsorge-Gruppe davon, dass das chinesische Zeichen für Krise aus zwei Zeichen besteht. Und die bedeuten einzeln gelesen: Gefahr und Chance. Ich konnte damals noch nicht viel damit anfangen.

Wo sollte in diesem Loch in dem sich saß eine Chance sein?

Doch ich habe diesen Hinweis nie vergessen. Und ich habe mit der Zeit gelernt in jeder Krise, jeder schwierigen Situation, auch ganz bewusst nach dem Ausschau zu halten, was es für mich hier zu lernen gibt oder was sie Positives für mich bereit hält.

Heute begreife ich meine Widerstände als Chancen für Wachstum. Seien es die inneren, die mich blockieren und ausbremsen – oder äußere Widerstände, wenn ich z.B. mit jemandem Probleme habe oder anecke.

 

„Gegenwind, mein Wind, Gegenstrom, mein Stromlieferant!“
Manfred Hinrich

 

In meinen Artikeln „Alles auf Anfang“ zu Beginn des Jahres und zum Thema Akzeptanz in dieser Reihe habe ich schon viel über Widerstände berichtet. Sie begegnen uns überall. Sie lähmen uns, sie hinterlassen uns gerne hilflos und irgendwie erstarrt.

Wir verharren dann in einer Art Starre, die keine Auswege sieht, keine Lösungen.

Laut der Resilienzforschung blicken lösungsorientierte Menschen konsequent auf das Machbare. Sie nutzen ihren Handlungsspielraum auch in besonders schwierigen Situationen. Und sie haben Kontrolle über ihre Gefühle und sie setzen im Umgang mit anderen ganz bewusst ihre Grenzen.

Aus meiner Sicht steht vor der Lösungsfindung die Akzeptanz der jetzigen Situation. Was sich wie ein Widerspruch anhört, hat durchaus Sinn:

Wie oft organisieren wir das Problem scheinbar „weg“ (und damit unseren Widerstand dagegen), weil wir eigentlich garnicht akzeptiert haben, dass das Problem tatsächlich besteht?

Akzeptanz und die Übernahme von Verantwortung öffnen die Tür zu Lösungen.

Denn während ich mich tagelang darüber aufregen und darüber wütend sein kann, dass meine Freundin mich ständig versetzt, oder mich fragen kann, wer die Schuld an der falschen Berechnung meines Krankengeldes hat, oder mich dafür schämen, dass ich schon wieder auf dem Sofa sitze, obwohl ich seit Wochen im Fitnessstudio angemeldet bin:

Die Probleme (meine Wut, meine Hilflosigkeit, meine Scham) werden sich dadurch nicht lösen. Ich steige nur immer tiefer in eine Abwärtsspirale ein. Und auch wenn ich mich scheinbar ganz lösungsorientiert ständig beschäftige, und immer auf Achse bin, verdränge ich damit eigentlich nur meinen Widerstand gegen das Alleinsein mit meinen Gefühlen.

Vielleicht fange ich dann an, andere Freundinnen zu treffen. Vielleicht recherchiere ich Möglichkeiten, anderweitig an Geld zu kommen. Vielleicht melde ich mich wieder beim Fitnessstudio ab.

Unsere Lösungen „lösen“ nicht immer etwas. Manchmal fahren wir uns noch mehr fest.

Wie also geht akzeptierende, verantwortungsvolle Lösungsorientierung?

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich sagen (und mich nur immer wiederholen): Akzeptanz ist der Schlüssel, dazu eine Portion Eigenverantwortung, eine Prise Optimismus und – voilá – Lösungen werden sich zeigen.

Allein dadurch, dass ich zuerst das (tatsächliche) Problem und meine Gefühle dazu identifiziere und sie annehme wie sie sind, öffnet sich in meinem Kopf der Raum für mögliche Lösungen. Die richtige Lösung für mich, für diesen Moment.

Denn dann bin ich bei mir, es geht um mich – und nicht um Schuld, Warum oder Ungerechtigkeit. Ich halte mich nicht mehr damit auf, das Problem innerlich vor mir herzuschieben und damit meinen Widerstand dagegen eigentlich nur noch zu vergrößern.

Ich tauche mitten rein in das Problem – und meine Gefühle dazu.

Dann erst kann ich mir darüber klar werden:

Was möchte ich? Was ist mir jetzt wichtig?

Und mit der Antwort auf diese Fragen darüber nachdenken, welche Ressourcen ich zur Verfügung habe (innere: Stärken und Fähigkeiten; und äußere: Personen, Netzwerke, Institutionen, Infrastruktur), um dahin zu kommen. Indem ich all meine ziemlich gut ausgeprägte Problemlösekompetenz anwende – auf das tatsächliche Problem!


So ein Widerstand will dich meistens auf irgendetwas hinweisen, ein Thema in dir. Organisiere ihn nicht weg, auch wenn das so schön einfach scheint. Ergreife vielmehr die Chance, etwas von ihm zu lernen und zu wachsen.

 

Quellen:
https://www.careerslounge.com/neues-entdecken/resilienz-faehigkeiten-und-praxisuebungen/

 

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1 Kommentar zu “[Resilienz #4] Lösungsorientierung – Widerstände als Chancen erkennen”

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