RUF. DOCH. MAL. AN. – Und dann?

Was während meines Anruf-Aktions-Monats Juni 2018 passiert ist.

von Lieblingsmensch_ME am 2. Juli 2018 / Lesezeit: 4 Minuten

Am 1. Juni hatte ich mich dazu entschlossen, für einen Monat öfter mal zur Anruffunktions meines Telefons zu greifen, statt nur eine Nachricht zu senden, wenn ich jemanden, der mir wichtig ist, „erreichen“ wollte.

 

„Darin besteht die Liebe: Dass sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden.“
Rainer Maria Rilke

 

Ja, zugegeben, das ist vielleicht etwas dick aufgetragen. Aber Rilke, der Romantiker, er hat schon recht. Es hat etwas mit Nähe zu tun, mit Berührung und Reden, dieses Telefonieren – das habe ich deutlich gemerkt.

Mir ist aufgefallen, wie oft ich schon WhatsApp offen hatte – ganz automatisch und wenig geplant. Es ist so normal geworden, die Menschen, die wir mögen und mit denen wir viel Kontakt haben, eigentlich fast nur noch anzuschreiben.

So ein Anruf ist eine ganz andere Hausnummer.

Ganz besonders fiel es mir auf, wenn schwierige Themen im Spiel waren. Als ich z.B. mit einer Freundin und Kollegin über ihren Untermiet-Vertrag bei mir im Büro reden wollte. Es ist soviel leichter (für mich geworden), schwierigen Themen schriftlich zu begegnen.

Das hat mich nachdenklich gemacht und ich habe mich auch gefragt, wie oft wir uns mit einer Nachricht vielleicht vor einem echten Gespräch drücken. Ich für meinen Teil werde weiter daran denken und darüber nachdenken:

Mache ich es mir gerade zu leicht?

Auf der anderen Seite habe ich sehr wohl bemerkt, dass die erste Reaktion auf meine Idee bei Facebook ein „Oh, das überfordert mich.“ war. Auch das ist natürlich möglich. Vielleicht telefoniert jemand generell nicht gerne oder hat sogar Angst davor.

Ich sage mal, wir „Intros“ sind sowieso eher Schrift-Komunizierer, wenn wir denn wählen müssen. Intros sind introvertierte Menschen, zu denen ich auch von Hause aus zähle. Ich kann auch gut ein Extro sein, also extrovertiert, das habe ich gelernt. Doch es kostet mich Kraft. So wie jede direkte Konversation.

Ein Anruf kann auch Kraft kosten.

Ich verstehe also, dass ein Anruf auch keine Option sein kann, weil es mehr Anstrengung kostet. Ich muss direkt reagieren, kann nicht in Ruhe formulieren – so wie in einer Email oder Nachricht.

Doch der große Unterschied, den ich festgestellt habe, ist: Ich komme den Menschen viel näher. Die Stimme zu hören und die Tonlage – das macht schon einen großen Unterschied, selbst wenn es sich nur um kurze (mein Mann und ich haben öfter solche) „Abstimmungstelefonate“ handelt.

Ein Anruf kann Nähe schaffen.

Ich habe gemerkt, ich bekomme mehr von der anderen Person mit, wenn wir telefonieren, als wenn wir nur Nachrichten schreiben – und das finde ich schön.

Und dann gibt es noch eine letzte Bemerkung: Anrufe können auch total nerven!
Denn seit ca. 2 Wochen hat mich ein Marktforschungsunternehmen auf dem Kieker (Zufall? :)) und ruft mich mehrmals täglich an. Obwohl ich die Nummer blockiert habe und die Anrufe nicht mitbekomme – wenn ich dann abends mal die Anrufliste durchsehe, dann erschrecke ich mich, wenn mich jemand 4-5mal am Tag anruft. Das gruselt mich und diese Anrufe möchte ich nicht haben.

Zusammenfassend kann ich sagen: Es war ein spannender Monat mit vielen Einblicken und Erkenntnissen. Ich bleibe dabei und rufe öfter mal an, statt eine Nachricht zu schreiben. Die Vorteile überwiegen für mich klar die Nachteile.

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