Und dann war Stille

Als ich begann, mich selbst zu fühlen, löste das einen inneren Sturm aus. Alles wirbelte durcheinander, nichts behielt seinen mir vertrauen Platz, es war laut, so viele Stimmen die durcheinander riefen und ich konnte keine von ihnen mehr richtig verstehen.

Als ich begann, mit mir selbst zu fühlen, in dem ich mich in das Auge meines inneren Sturmes begab und eine Stimme nach der anderen anhörte, um ihren Schmerz anzunehmen und ihn gemeinsam mit ihr zu tragen… da wurde es nach und nach ruhiger um mich herum.

Da ist eine gewisse Empfindung von großer Wachheit und Freiheit, zugleich ist eine Zartheit, die ohne irgendeinen Grund oder eine Bedingung entsteht. Da ist ein tief empfundenes Bewusstsein, zart und empfindlich zu sein. Nicht traurig auf eine depressive oder eine schmerzende Weise, sondern zart und irgendwie auch eine Leichtigkeit. Es ist eine Mischung.  Es ist ein wenig freudig und ein wenig traurig. Da ist keine Traurigkeit um einen selbst und auch keine Traurigkeit um irgendjemanden im Besonderen. Es ist so, als wäre man von einer Energie oder einem Strom gesättigt.

nach Tsoknyi Rinpoche

Und dann wurde es plötzlich still.

Die Dinge fanden wieder ihren Platz und es kehrte eine Ruhe ein, die ganz zart und verletzlich ist und gleichzeitig so groß und umfassend, dass sie mich vollständig ausfüllt.

Über das Mitgefühl für mich selbst und meinen Weg dorthin schreibe ich in diesem Blog ab 2017.
Ich wünsche dir eine ruhige Weihnachtszeit und einen bewussten Start in das neue Jahr.

2 Kommentare

  1. Guten Tag!

    Ich bin selbst Ärztin, 53 Jahre alt und habe jahre-, wenn nicht jahrzehntelang… mit meiner Position als alleinerziehende Mutter, meinem Job, meiner augenscheinlichen Beziehungsunfähigkeit und meiner gleichfalls unfreiwilligen Außenseiterposition innerhalb meiner „Ursprungsfamilie“ gehadert. Zusätzliche Stressfaktoren: Ein chronisch kranker Sohn sowie ein pflegebedürftiger, schwerstbehinderter Vater.

    Für alles „Partout-Nicht-Gelingen-Wollende“ habe ich mir stets selbst die Schuld gegeben…….immer die bereits als Kind internalisierten, völlig überzogenen Ansprüche meiner Eltern „im Nacken“ und „24/7“ auf der „verzweifelt-lechzenden“ Suche nach Anerkennung. Bei dem Versuch, meinen krankmachenden, narzißtischen Ansprüchen an mein Leben Genüge zu tun, bin ich – wie sollte es anders sein – recht bald „über meine eigenen Beine gestolpert“, fiel in ein tiefes, tiefes Loch……………..das über Jahre währte. Jahre, in denen ich auch streckenweise versuchte, meine „Unfähigkeit“ durch medikamentöses Doping zu kompensieren………………..

    Und immer, immer gab ich mir selbst die Schuld für alles, was mißlang………………………

    Es ist eine lange, sehr traurige Geschichte, geprägt von auch heutzutage immer wieder aufkommenden Phasen schierer Verzweiflung und sogar Existenzängsten. Natürlich (!) habe ich mir endlich, nach so vielen Jahren professionelle Hilfe gesucht….- dennoch geht es nur langsam voran- und es gibt – nach wie vor- Phasen, während derer ich lieber behaupten würde, ich habe (zB) Krebs als zuzugeben, daß ich unter einer chronischen Depression leide.

    Die Stigmatisierung dieser Erkrankung macht leider auch vor meiner Familie nicht halt, die mich im Grunde nur als willensstarke und ehrgeizige Frau kennt. Es macht mich nachdenklich, daß in meinem Umfeld, auf meine Person bezogen, allerhöchstens der Begriff „Burn-Out“ Anwendung und eine gewisse Akzeptanz erfährt……..

    Es ist „Chic“ geworden, nach meiner Beobachtung, sich (natürlich meist nach überstandener Diagnose) zu einem „Burn-Out“ zu bekennen, denn diese Begrifflichkeit impliziert, daß mann/ frau im Grunde einfach zu ambitioniert und fleißig ist…………Ein „Burn-Out“ wird also vorrangig mit „guten/ sozial anerkannten“ Eigenschaften wie Fleiß, Ehrgeiz, selbstlose Unermüdlichkeit bei der Bewältigung von Aufgaben assoziiert.

    Irgendwann wird es heißen: „Respekt, SIE haben es aber weit gebracht in Ihrem Leben – ein „Burn-Out“…..tja, das kann ja nun nicht jeder vorweisen.

    Soweit zur NACH WIE VOR bestehenden Stigmatisierung der DEPRESSION!!!!

    Jedoch bin ich vom Thema abgewichen: Was mir persönlich in Ihrem Blog, der ganz offensichtlich nach neuesten Marketing-Strategien geschaffen wurde und sehr schön anzuschauen ist…….., eindeutig fehlt, ist die Schilderung der eigenen Betroffenheit von der Krankheit – meinetwegen eben in der Retrospektive……..!? .Offensichtlich haben Sie selbst die Metamorphose zum eigenen „Lieblingsmenschen“ erfolgreich durchlebt. (…..was mich sehr für Sie freut!!!!)

    Aber selbst Ihre älteren Beiträge von 2016 vermitteln bereits sehr große, persönliche Distanz, bzw., einen großen Erkenntnisreichtum, der offenbar bereits zu dem Zeitpunkt nahezu alle negativen Gefühle verdrängt hat. Und wohl auch die Erinnerung daran.!? (Eine authentische Schilderung Ihres Gefühlslebens aus der besagten Zeit wird ersetzt durch, sinngemäß:“ Ich hatte mich verloren, war nicht bei mir…….“)

    Kurzum: Ich denke, dieser Blog hilft EHER denjenigen weiter, die eine Krankheitsremission vermeiden wollen…………..und, das scheint mir sehr im Vordergrund zu stehen, für Ihre Weiter-Und Ausbildungsangebote Interesse hegen.

    Er erscheint mir eher als Werbung aus eigenem, wirtschaftlichen Interesse heraus, denn als Hilfe.für Betroffene. Er berührt nicht wirklich, er zeigt an keiner Stelle die alle Lebensfreude im Keim erstickenden Momente einer Depression auf, sondern imponiert durch spirituell anmutende „Lebensweisheiten“………er trägt ebenso wie das neuzeitliche „Burn-Out“ zu einer „Verniedlichung“ der Depression bei. Und damit zur Stigmatisierung der DEPRESSION, einer ernstzunehmenden Erkrankung..

    Aber wahrscheinlich habe ich da etwas mißverstanden………….

    Nichts für ungut!:-))

    Einen schönen Tag!

    MfG, Karin Gläser

    Kurzum: WERBUNG wäre ja legitim, aber von einem „Blog“ erwartet mann/ frau anderes. Oder?

    Dadurch……“berührt“ der Blog irgendwie nicht, oder, in „Neudeutsch“: „Er holt mich nicht ab……!“

    1. Guten Tag Frau Gläser,
      vielen Dank für Ihre Offenheit mit Ihrer Geschichte und Ihren Kommentar.

      Wenn Sie meinen Blog aufmerksam gelesen haben, werden Sie an verschiedenen Stellen gelesen haben, dass ich seit 3 Jahren über meinen Weg „aus der Krise heraus“ schreibe und auch erst an dem Punkt mit dem Schreiben begann, als ich rückblickend und reflektierend auf meine schwersten Momente zurückblicken konnte. Als ich selbst in der tiefen Krise steckte, haben mich vor allem solche Blogs ermutigt, die den Weg (ein Stück weit) bereits gegangen waren und nun darüber schrieben, wie sich ihr Weg kontinuierlich fortsetzt. Das ist auch mein Ansinnen mit meinem Blog: zu zeigen: „Es ist möglich“. Denn als Borderline-Betroffene lebte ich viele Jahre mit dem „unheilbar“-Stigma.

      Damit möchte ich keinesfalls depressive Symptomatiken verharmlosen. Wenn ich auch nicht chronisch betroffen bin, so kenne ich doch schwere depressive Episoden. Und ja, ich sehe es tatsächlich als Erfolg und Stärke an, diese bewältigt zu haben und daran gewachsen zu sein. Für mich verkörpert genau diese veränderte Sichtweise einen neuen Umgang und eine Akzeptanz von psychischen Erkrankungen: eine bewältigte psychische Krise oder Erkrankung als einen Gewinn an Lebenserfahrung und Erfolg zu betrachten, statt als lebenslanges Stigma (wie es gesellschaftlich leider noch immer stark verbreitet ist). Dafür setze ich mich täglich privat und beruflich in der gemeinnützigen Organisation die erfahrungsexperten ein.

      Dass ein Burn-Out leider derzeit eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz erfährt, als die Diagnose Depression, sehe ich, genauso wie Sie, kritisch. Arbeitnehmer lassen sich lieber mit Burn-Out krank schreiben als mit einer Depressionsdiagnose. Hier wird meiner Ansicht nach die schwere Symptomatik eines Burn-Out noch immer nicht erkannt und akzeptiert und ihrerseits stark „verniedlicht“, wie Sie es nennen.

      Doch auch ich empfinde es als Stigmatisierung, dass Sie von mir erwarten, dem (Ihrem) Störungsbild einer Depression in meinen Schilderungen möglichst zu entsprechen, damit Sie sich von meinen Beiträgen besser abgeholt fühlen. Ich distanziere mich davon, mit meinem persönlichen Blog die (mir unbekannten) Erwartungen anderer zu erfüllen. Ich weiß nicht, was mann/frau von einem Blog erwartet. Mit dem Schreiben helfe ich vor allem mir selbst, denn dahinter steckt meine ganz persönliche, private Geschichte. Ich freue mich, wenn meine Beiträge Anderen gefallen und sie sie als hoffnungsvoll und hilfreich erleben, das ist jedoch nicht mein Anspruch oder Ziel. Als Erfahrungsexpertin teile ich meine individuellen Erfahrungen und Gedanken. Dass sich darin nicht jede/r wiederfindet, ist für mich vollkommen klar und ok.

      Viele Grüße
      Annegret

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