[Resilienz #5] Zukunftsorientierung – Bring dein Boot auf Kurs

von Lieblingsmensch_ME am 11. Oktober 2017 / Lesezeit: 7 Minuten

Wer steuert das „Boot“ deines Lebens und bestimmt den Kurs? Nimmst du deine Zukunftsgestaltung aktiv in deine eigenen Hände, oder überlässt du sie dem Zufall? Schiebst du Entscheidungen über die Zukunft gerne vor dir her? Und wenn du Ziele hast, setzt du sie auch um?

Wenn ich eine Situation akzeptiert, meine eigene Verantwortung angenommen und mir Gedanken über eine mögliche Lösung meines Problems gemacht habe, dann bedeutet das dennoch, dass ich noch einen weiteren Schritt vor mir habe, nämlich den in Richtung Zukunft: Ich setze das, was ich mir vorgenommen habe, auch um. Oder nehme es mir zumindest erst mal vor.

 

„Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“
Albert Einstein

 

Und an dieser Stelle bleiben dann viele meiner Pläne stecken. Ich gehe nämlich nicht wirklich den Schritt Richtung Zukunft und verharre genau dort, wo ich die ganze Zeit schon war. Trotz aller Akzeptanz, Eigenverantwortung und der richtigen Lösung in der Theorie. Was stimmt da nicht?

Lebensziele geben Kraft und Zuversicht.

Laut der Resilienzforschung haben Menschen mit klaren Zielvorstellungen und den richtigen „Steuermethoden“ für ihr Boot (z.B. Akzeptanz, Eigenverantwortung, Lösungsorientierung) mehr gesundheitliche Ressourcen, d.h. sie verspüren weniger innere Unruhe, Zweifel und Haltlosigkeit und dagegen mehr Antrieb und inneren Halt.

Woran liegt es also, dass ich mir Ziele setze und sie dann aber nicht erreiche, obwohl ich doch gut vorbereitet bin, weiß was ich zu tun habe, eingesehen habe, dass ich etwas ändern möchte und die Lösung schon kenne? Es könnte doch so einfach sein.

Losgehen ist eine Entscheidung.

Nun fehlt nur noch die Entscheidung, auch loszugehen. Was hindert mich daran? Die Forscher fragen dazu: Wohin willst du segeln ohne Ziel? Das heißt, dass oft an der Definition unseres Ziels etwas nicht stimmt. Es ist oft nicht besonders SMART. Gehe mal deine aktuellen Ziele im Kopf durch. Klingt das in etwa wie:

„Ich möchte abnehmen.“
„Ich möchte mehr Sport machen.“
„Ich möchte weniger Rauchen.“
„Ich möchte mehr für mein Studium tun.“

Aha. Wieviel? Bis wann? Was genau? Eins haben die Ziele oben alle gemeinsam: Sie sind unspezifisch. Und das ist auch gleich der erste Faktor in SMART, was eine Abkürzung ist für:

 

S = spezifisch – Was genau wirst du tun?
M = messbar – Wieviel genau wirst du tun/ Was ist das messbare Ergebnis?
A = angemessen/attraktiv/akzeptiert – Warum genau willst du es tun?
R = realistisch – Wirst du es wirklich tun/ Ist es machbar?
T = terminiert – Ab wann/ bis wann wirst du es tun?

 

SMART ist eine Methode zur eindeutigen Definition von Zielen. Sie kommt aus dem beruflichen Umfeld, genauer dem Projektmanagement.

Wie SMART ist dein Ziel?

Schau also dein Ziel einmal genau an und versuche es nach den Faktoren oben so umzuformulieren. Zum Beispiel:

„Ich möchte bis Ende des Monats nur noch 10 Zigaretten täglich rauchen.“
„Ich möchte ab Montag täglich 2 Stunden für mein Studium lernen und die Klausur im November mit mindestens 2,3 bestehen.“
„Ich fange ab morgen an, 3x in der Woche für 20 Minuten Sport zu machen.“

Schon besser, oder? Wenn du ganz genau hinsiehst, entdeckst du vielleicht, dass 10 Zigaretten noch unrealistisch sind bis Ende des Monats, wenn du jetzt 20 rauchst. Oder du merkst, dass 2 Stunden täglich lernen garnicht zeitlich machbar sind. Und wann genau und welchen Sport wirst du machen? – Werde noch spezifischer.

Ein (für mich) unattraktives Ziel lasse ich links liegen.

Überprüfe gegebenenfalls auch nochmal, wie attraktiv dein Ziel für dich eigentlich ist. Denn nur weil zum Beispiel alle sagen: „Diese eine kleine Insel mit dem tollen Strand wo lauter rote Krebse krabbeln, ist ein absolutes Muss!“ – wenn ich keine Krebse mag, werde ich die Insel mit meinem Boot wohl eher nicht ansteuern. Oder mich dabei sehr unwohl fühlen und es nicht ein zweites Mal machen.

Die Motivation, mein Ziel bis zum Ende zu verfolgen, bleibt am Ehesten erhalten, wenn ich wirklich selbst und von innen heraus das möchte, was ich da anstrebe. Wenn ich nicht fühle warum ich weniger rauchen sollte oder nur abnehmen möchte, weil ich denke, dass ich dann auf andere attraktiver wirke, werde ich mein Ziel eher nicht langfristig und mit Überzeugung verfolgen.

Ein wichtiger psychologischer Faktor ist dabei auch die Formulierung. Das Ziel sollte positiv formuliert sein, damit es als attraktiv wahrgenommen wird.

Volle Kraft voraus.

Um am Ball zu bleiben, brauche ich also vor allem ein Ziel, das positiv formuliert ist und mich persönlich und emotional wirklich anspricht, und nicht von anderer Leute Werten und Normen bestimmt ist. Mir hilft dabei, mir darüber klar zu werden, aus welchen Gründen ich genau dieses Ziel erreiche möchte.

Manchmal entdecke ich dabei auch, dass noch alte Glaubenssätze eine Rolle spielen, die mich zu einem Ziel antreiben – bei mir ist es beim Thema Sport und Bewegung so. Ich spüre dann wieder den schon oft beschriebenen Widerstand in mir, weil (wie ich herausgefunden habe) mir von meinem Kopf immernoch Gründe genannt werden, die ich aber nicht mehr hören will, weil sie nicht meine sind. Sie widerstreben meinen Werten, z.B.: „Wenn du wieder mehr Sport machst, wirst du für andere wieder attraktiver sein.“

Ein Teil von mir kann die Vostellung noch nicht loslassen, dass „angenommen sein“ (von anderen) ausschließlich mit meinem Äußeren zusammen hängt. Ich gehe dann mitfühlend damit um und erkläre mir selbst, dass ich Sport machen sollte, weil es für mich und meinen Körper, mein ganz eigenes Wohlbefinden eine gute Sache ist. Ich stelle mir dann vor, wie ich mich fühle, wenn ich z.B. Yoga praktiziere, ganz bei mir bin, mich auf mich konzentriere.

Unabhängig von allen anderen bin ich nur auf meinem Kurs unterwegs.

Diese Vorstellung ist sehr viel attraktiver, als mit einem Drill-Master im Rücken Sport zu machen, der einem ständig sagt, dass es noch nicht reicht – für die Anderen. Ganz klar, dass da die Motivation verloren geht, oder?

Hör also mal hin, wie du dich selbst zu Veränderung bewegen möchtest. Gibt es einen Teil, der dich in eine Richtung drängen will und dich mit alten Glaubenssätzen belegt? Gibt es gesellschaftlichen Druck dich zu verändern? Oder fährst du deinen eigenen, ganz selbstgewählten Kurs?

 

Quellen:

Zukunftsorientierung – Schlüssel der Resilienz

Resilienzfaktor Zukunftsorientierung – Geh voran!

 

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